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Lyrik am Freitag – SARK: How to be an artist

How to be an artist

Lasse dich fallen.
Lerne Schnecken zu beobachten.
Pflanze unmögliche Gärten.
Lade jemand Gefährlichen zum Tee ein.
Mache kleine Zeichen, die „ja“ sagen und verteile sie überall in deinem Haus.
Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit.
Freue dich auf Träume.
Weine bei Kinofilmen.
Schaukel so hoch du kannst mit einer Schaukel bei Mondlicht.
Pflege verschiedene Stimmungen.
Verweigere dich „verantwortlich“ zu sein. Tue es aus Liebe.
Mache eine Menge Nickerchen.
Gib weiter Geld aus. Mache es jetzt. Das Geld wird folgen.
Glaube an Zauberei.
Lache eine Menge.
Bade im Mondlicht.
Träume wilde, phantastische Träume.
Zeichne auf die Wände.
Lies jeden Tag.
Stell dir vor, du wärst verzaubert.
Kichere mit Kindern.
Höre alten Leuten zu.
Öffne dich. Tauche ein.
Sei frei.
Preise dich selbst.
Lass die Angst fallen.
Spiele mit allem.
Unterhalte das Kinde in dir.
Du bist unschuldig.
Baue eine Burg aus Decken.
Werde nass.
Umarme Bäume.
Schreibe Liebesbriefe.…
und ich sage: Tanze so viel wie möglich.

Susan Ariel Rainbow Kennedy (geb. 1954)

Manche Gedichte sind Listen. Manche Listen sind Gedichte. Die Liste schafft eine Ordnung. Gleichzeitig gibt sie aber Raum für hemmungslose Subjektivität. Man kann ja in die Liste reinschreiben, was man will. Und dadurch gibt es dann dieses Ineinander von Ordnung und Unordnung. Ann Cotten (geb. 1982), deutschsprachige Schriftstellerin und Übersetzerin, sagt beides sei eigentlich „langweilig“. Die Ordnung ist langweilig, und die Unordnung ist auch langweilig. Und in der Liste, dem Listen-Gedicht, kann man dieses Verhältnis von Ordnung und Unordnung zum Tanzen bringen. So in etwa, als einen Tanz, empfinde ich die Liste, die die us-amerikanische Künstlerin Susan Ariel Rainbow Kennedy (die als SARK ihre Kunst veröffentlicht) 1989 unter der Überschrift „How to be an artist“ verfasst hat. Eine Liste der Lebenskunst, ein Lebensrezept, eine Anleitung zum Glücklichwerden bzw. Glücklichsein. In Deutschland werden die Zeilen oft Joseph Beuys zugeschrieben (der in diesen Tagen übrigens 100 Jahre alt geworden wäre). Das ist aber ein Irrtum.

Was spricht Euch an auf dieser Liste? Was regt Euch an, was regt Euch auf? Welche Ideen (Vorschläge?) mögt Ihr auf Eure „Das-ist-mir-wichtig-“ oder „So-möchte-ich-leben-Liste“ aufnehmen? Oder die Frage lautet auch: Was von dem, was da geschrieben steht, tue ich vielleicht schon? Und merke erst jetzt beim Lesen und darüber Nachdenken, dass mir das gut tut und schön ist? How to be an artist, eine Künstlerin sein – ich höre es so: Indem ich frei, d.h. vor allem angstfrei versuche zu leben, träume und kichere, mein „inneres Kind“ unterhalte und Deckenburgen baue, liebe und lache, zuhöre und beobachte (Schnecken!), tanze und lese und den Tränen freien Lauf lasse und mich ihrer nicht schäme, fühle ich mich in dieser Welt und bin ich! Und gestalte mich in diese Welt hinein. Als Künstler*in meines Lebens. Und füge hinzu: Als  geliebtes Kind Gottes.

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3 Kommentare

  1. Zur Lebenskunst gehört in der Tat die innere Freiheit, mutig mit den Unsicherheiten umzugehen, die daraus entstehen, aber ich glaube, ich wäre nicht mutig genug, einen „Gefährlichen“ zum Tee zu bitten. Menschen, die das tun, kann ich nur bewundern. – Verweigere dich aus Liebe, verantwortlich zu sein! Bin ich nicht als Christin verantwortlich für meine Mitmenschen? Ich denke, es geht darum, dem anderen seine Freiheit zu lassen, nicht für ihn zu handeln, sondern nur Denkanstoßgeberin zu sein , damit er sich aus freien Stücken selbst entscheiden kann. – Preise dich selbst! Gemeint ist sicher nicht, dass wir uns unrealistisch einschätzen und in die Höhe heben, sondern dass wir uns voller Vertrauen als Kinder Gottes fühlen und ein gesundes Selbstbewußtsein haben.

  2. Die schöne Liste bestätigt mir, dass ich kein Künstler bin. Ich bleibe unter 30%.

  3. Lieber Jörg, ich glaube schon, dass Du ein Künstler bist, nur sieht Deine Liste völlig anders aus als die von Susan Kennedy und stimmt wohl nur höchstens 30% mit ihrer überein. Du bist du, und sie ist sie. Mache Dir doch einmal die Mühe, eine eigene Liste aufzustellen. Das ist sicherlich sehr wertvoll.

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